Hand­chirurgie

Die Handchirurgie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der Chirurgie mit einer langen Geschichte, das sich mit der Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen und Verletzungen der Hand und des Handgelenks befasst.

Die Hand ist ein komplexes Organ, das aus zahlreichen Knochen, Gelenken, Sehnen, Muskeln und Nerven besteht. Aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Funktionalität ist die Hand für viele alltägliche Aktivitäten unerlässlich.

Bereiche der Handchirurgie

  1. Traumatische Verletzungen: Wir behandeln sehr häufig Verletzungen, die durch Unfälle, Stürze oder Sportereignisse verursacht werden. Dazu gehören Frakturen (Knochenbrüche), Sehnenrisse, Luxationen (Gelenkverrenkungen) und Weichteilverletzungen.
  2. Degenerative Erkrankungen: Zu den häufigsten Erkrankungen, die in der Handchirurgie behandelt werden, gehören Arthrose (Gelenkverschleiß), Rheuma, der schnellende Finger  oder ‚Schnappfinger` und das Karpaltunnelsyndrom. Diese Erkrankungen können Schmerzen, Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit verursachen.
  3. Proliferative Erkrankungen und Tumore: Wir versorgen regelhaft  proliferative Krankheitsbilder wie den Morbus Dupuytren in allen Verlaufsformen  – dies auch zum überwiegenden Anteil ambulant. Weiterhin sind wir in der Lage, zahlreiche weitere, zumeist  gutartige  Tumoren in der Hand und im Handgelenk zu diagnostizieren und zu behandeln. Hierzu gehören auch Enchondrome, Risenzelltumore oder Glomustumore.
  4. Rekonstruktive Chirurgie: In Fällen von schweren Verletzungen oder angeborenen Fehlbildungen kann eine rekonstruktive Chirurgie erforderlich sein, um die Funktion und das Aussehen der Hand wiederherzustellen. Auch hier haben wir durch meine langjährige Tätigkeit an der Universitätsklinik Marburg eine ausgewiesene Expertise. Außerdem steht uns auch hier ein breites Netzwerk an mikrochirurgisch und plastisch tätigen KollegInnen uns spezialisierten Kliniken/Fachabteilungen zur Verfügung, an die wir vermitteln können.
 

Geschichte

Die Handchirurgie hat eine lange und faszinierende Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland wurden grundlegende chirurgische Techniken zur Behandlung von Handverletzungen und -erkrankungen angewendet. Diese frühen Chirurgen erkannten die Bedeutung der Hand für die Ausführung alltäglicher Aufgaben und die Notwendigkeit, Verletzungen zu behandeln, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Im Mittelalter wurden die chirurgischen Praktiken durch die Schriften von Ärzten wie Avicenna und Hippokrates weiterentwickelt. Diese Mediziner dokumentierten verschiedene Techniken zur Behandlung von Frakturen und Weichteilverletzungen. Dennoch war die Chirurgie in dieser Zeit oft von Aberglauben und unzureichendem Wissen über Anatomie geprägt.

Die Renaissance brachte einen bedeutenden Fortschritt in der medizinischen Wissenschaft, einschließlich der Chirurgie. Anatomische Studien, die durch die Arbeiten von Andreas Vesalius gefördert wurden, führten zu einem besseren Verständnis der menschlichen Anatomie. Dies ermöglichte Chirurgen, präzisere Eingriffe durchzuführen. Im 19. Jahrhundert wurden mit der Einführung der Anästhesie und der antiseptischen Techniken durch Joseph Lister die Möglichkeiten der Chirurgie revolutioniert. Diese Entwicklungen führten zu sichereren Operationen und verbesserten Ergebnissen für die Patienten.

Die Handchirurgie als eigenständiges Fachgebiet begann sich im 20. Jahrhundert zu etablieren. Pioniere wie der amerikanische Chirurg Dr. Paul Brand trugen maßgeblich zur Entwicklung von Techniken zur Behandlung von Handverletzungen und -erkrankungen bei. Brand war bekannt für seine Arbeit mit Patienten, die an Lepra litten, und entwickelte innovative Methoden zur Rekonstruktion von Handfunktionen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Handchirurgie weiterentwickelt, insbesondere durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren, minimalinvasiver Techniken und mikrochirurgischer Verfahren. Diese Fortschritte ermöglichen es Chirurgen, komplexe Verletzungen und Erkrankungen der Hand mit höherer Präzision und weniger Komplikationen zu behandeln.

Heute ist die Handchirurgie ein hochspezialisiertes Fachgebiet, das eine Vielzahl von Erkrankungen und Verletzungen behandelt – von traumatischen Verletzungen über degenerative Erkrankungen bis hin zu rekonstruktiven Eingriffen. Die kontinuierliche Forschung und Entwicklung neuer Techniken und Materialien versprechen, die Behandlungsergebnisse weiter zu verbessern und die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.

Bildgebende Diagnostik

Uns stehen eine digitale Röntgenanlage, sowie ein Gerät zur DXA-Messung (Knochendichte) zur Verfügung. Weiterhin führen wir regelhaft Sonografien durch und punktieren auch sonographiegestützt.

Krankheitsbilder Handchirurgie

Palmare Plattenausrisse PIP Gelenk

Bei einem Ausriss der Palmaren Platte handelt es sich um einen beugeseitigen Ausriss der osteofibrösen Kapselstrukturen, die gleichzeitig auch die Ansatzfläche der oberflächlichen Beugesehnen der Langfinger bilden. Bis zu einer Grösse von ca 1/3 der Gelenkfläche bzw. einer Dehiszenz von >2mm lässt sich diese Verletzung ohne eine Drahtspickung oder Schraubenosteosynthese behandeln. Der Patient erhält für 10 Tage einen Tapeverband, danach eine FF Behandlung und im Folgenden sollte 4 Wochen keine sportliche Belastung des Langfingers erfolgen

Kapseldistorsion

Kapselverletzungen der Gelenke der Langfinger treten häufig bei Stauchungs und verdrehtraumen auf. ZB beim Handball oder Basketball, aber auch beim plötzlichen Reißen zB. an einer Hundeleine. Wichtig ist eine Röntgendiagnostik um mögliche knöcherne Verletzungen auszuschliessen. Anschließend reicht oft ein Salbenverband und eine kurzfristige Ruhigstellung aus. Im Anschluss erfolgt eine Frühfunktionelle Behandlung.

Knopflochdeformität:

Bei einer Knopflochdeformität kommt es zu einer charakteristischen Fehlstellung des Fingers mit einer Beugung im körpernahen proximalen Fingergelenk und einer Überstreckung im Körperfernen, distalen Fingergelenk. Dies geschieht durch einen Ausriss des Streckapparates der Langfinger über dem körpernahen Fingergelenk. Anfangs ist die Fehlstellung noch diskret, später dann, wird der Finger immer eingeschränkter beweglich und lässt sich mitunter nicht mehr strecken. Bis zu einem Zeitpunkt von ca einem viertel Jahr nach solch einer Verletzung lassen sich noch gute Ergebnisse mit einer konservativen Therapie erreichen. Alles darüber benötigt häufig zunächst eine konservative Aufdehnung und Streckung des Gelenkes mit einer anschließenden Rekonstruktion des Streckapparates.

Gelenk Luxationen der Langfinger

Luxationen der körpernahen Fingergelenke kommen durch pläötzliche Verdrehungen oder Stürze mit einem Anprall direkt auf den Finger zustande. Der Finger ist direkt fehlgestellt und schmerzt sehr. In der Klinik lässt sich mit Hilfe einer lokalen Betäubung des Fingers das betroffene Gelenk sicher und schnell wieder einrenken. Anschließend wird ein Röntgenbild angefertigt um einen Knochenbruch auszuschliessen, den man ggf operativ versorgen müsste. Liegt dies nicht vor, kann der betroffene Finger an den nächsten Finger getaped werden und direkt bewegt werden. Häufig ist eine Einheit Ergotherapie oder Krankengymnastik notwendig, um anschließend wieder frei bewegen zu können.

Mallet Finger

Bei einem sogenannten Mallet Finger handelt es sich um einn geschlossenen Riss der Strecksehne am Fingerendglied, dem Körperfernen Fingergelenk unterhalb des Nagels. Der Finger hängt in diesem Gelenk herunter und lässt sich nicht mehr komplett strecken. Hier ist in der Regel zunächst eine Rötgendarstellung notwendig um einen knöchernen Ausriss der Strecksehne auszuschließend. Liegt dieser nicht vor, bekommt der Patient eine Endgliedschiene, auch Stack‘sche Schiene genannt angepasst.

Diese besteht in der Regel aus Kunststoff und verhindert eine Beugung im Endgelenk. So können die Sehnenenden in Ruhe zusammenwachsen. Die Schiene wird in der Regel für 6-8 Woche getragen, im Anschluss nochmal für 2 Wochen zur Nacht. Die Schiene sollte in der Heilphase nicht abgenommen werden, auch nicht zur Beübung des Fingers, da jedes Beugen des Fingers ein erneutes Reißen der gerade heilenden Sehnenenden zur Folge hätte.

Knöcherner Strecksehenausriss

Liegt ein knöcherner Ausriss der Strecksehne am Endglied der Langfinger vor, kommt es darauf an, wie groß dieser ist und wie weit die Sehne den Knochen schon vom Gelenk weggezogen hat. Ist der knöcherne Ausriss kleiner als 1/3 der Gelenkfläche und weniger als 2mm retrahiert, so lässt sich der befund gut in einer Endgliedschiene, auch Stack`sche Schiene genannt behandeln. Diese verbleibt für 6 Wochen angelegt. Anschließend kann mit einer ergotherapeutischen oder krankengymnastischen Beübung begonnen werden, da das Endgelenk nach 6 Wochen Ruhigstellung häufig etwas versteift.

Bei größeren Ausrissen und größerer Verschiebung der Knochen sollte eine Operation durchgeführt werden. Hier kann der Knöcherne Ausriß mit Hilfe von Drähten oder einer Schraube wieder fixiert werden. Auch in diesem Falle ist eine 6-Wöchige Schienenbehandlung notwendig. Drähte müssen anschließend entfernt werden, Schrauben können ggf verbleiben.

Kahnbeinfraktur

Die Häufigste Verletzung der Handwurzel ist der Bruch des Kahnbeines. Die meisten Brüche treten nach Sturz auf die ausgestreckte Hand auf. Klinisch äussert sich so ein Bruch in einem Bluterguss und starken Schmerzen im Bereich des Daumenballens und inder Tabatiere, der Grube die beim Abspreitzen des Daumens zwischen den Daumenstrecksehnen sichtbar wird.

Dieser Knochen ist schlecht durchblutet und Brüche an dieser Stelle bergen ein hohes Risiko schlecht oder garnicht auszuheilen, wenn sie zu spät entdeckt werden. Trotzdem können diese manchmal übersehen werden. Die Brüche sind unverschoben im Röntgenbild manchmal schwierig zusehen. Hier eigenen sich dann Spezialaufnahmen oder ggf. auch mal eine Computertomografie oder eine Kernspinuntersuchung um eine Diagnose bei Fortbestehenden Schmerzen zu ermöglichen.

Unverschobene Brüche der körperfernen Randbereiche können mit einer 4 wöchigen Schienenbehandlung behandelt werden. Brüche in der Taille oder dem körpernahen Anteil des Kahnbeines werden in der Regel operativ versorgt. Standartverfahren ist hier eine minimalinvasiv eingesetzte Schraube, die im Knochen verbleibt und nicht wieder entfernt werden muss. Ältere Verletzungen müssen manchmal zusätzlich mit frischem Knochenmark aus der Speiche oder sogar aus dem Becken wieder zum Heilen angeregt werden. In diesem Falle kann dann nicht minimalinvasiv operiert werden, sondern der Knochen über einen kleinen Schnitt auf dem Handrücken dargestellt und mit frischem Knochenmark aufgefüllt werden.

Auch hier dient eine kleine Schraube zur Fixierung des Bruches. Im ersten Fall genügt oft das Tragen einer Orthese füpr 6 Wochen um die Bewegung etwas zu beschränken. In letzterem Falle sollte der Daumen und das Handgelenk für mindestens 6 Wochen, manchmal auch für 12 Wochen ruhiggestellt werden.

Ulnares/radiales Seitenband

Die Verletzung des innenseitigen bzw. handseitigen Seitenbandes des Daumengrundgelenkes bezeichnet man umgangssprachlich auch als Skidaumen. Unfallmechanismus ist meist ein Sturz auf die Hand bei ausgestrecktem Daumen, zB beim Skifahren oder beim Nordic walking.

Nach einer derartigen Verletzung zeigt sich oft eine schmerzhafter Gelenkschwellung und ein Bluterguss innenseitig am Grundgelenk des Daumens. Das Flaschen öffnen oder einen Schlüssel halten schmerzt. Bei Prüfung der Aufklappbarkeit des Gelenkes zeigt sich eine Instabilität des Daumengrundgelenks. Da hier in einem gewissen Anteil der Fälle Bandanteile über die Muskelansätze rutschen können und so eine konservative Ausheilung behindern können, wird diese Verletzung in der Regel operativ behandelt.

Dieser Eingriff kann ambulant durchgeführt werden und der Daumen muss anschließend für 6 Wochen in einer Anhalterstellung ruhiggestellt werden. Übersehene Verletzungen lassen sich häufig deutlich schlechter behandeln und müssen in einigen Fällen sogar mittels einer Transplantation von Sehnen und Bändern versorgt werden, da alte Bandverletzungen schlecht durchblutet sind und auch schlecht ausheilen. Ein frühzeitiger Arztbesuch lohnt sich hier.

De Quervain

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Nervenengpassyndrom des Menschen. Hier kommt es zu einer Einengung des N. medianus unter dem Ligamentum carpi transversum. Dies ist eine Bandstruktur die den sogenannten Carpaltunnel, eine knöcherne Rinne in der unsere Beugesehnen und der Handgelenksnerv vom Unterarm in die Hand übertreten, nach oben begrenzt. Die Ursache für die Einengung der oben genannten Strukturen durch dieses Band ist häufig eine chronische Überlastung des Handgelenkes.

Auch vermehrte Wassereinlagerungen wie bei einem Rheuma, einer Herzschwäche oder auch einer Schwangerschaft können ebenfalls zu einer Enge im Carpaltunnel führen. Symptome sind zunächst ein Kribbeln in den ersten drei Fingern der Hand, besonders im Daumen und Zeigefinger. Dies kann sehr unangenehm sein und tritt oft auch Nachts auf. Viele Patienten wachen hiervon auf und müssen Nachts ihre Finger ausschütteln um das lästige Kribbeln loszuwerden. In späteren Stadien kommen auch ziehende Schmerzen und eine Kraftminderung hinzu. In noch weiter fortgeschrittenen Stadien kann die Muskulatur des Daumenballens sich verschmächtigen.

Um hier eine sichere Diagnose zu stellen, gehört nicht nur eine klinische Untersuchung dazu, sondern auch eine Messung der sogenannten Nervenleitgeschwindigkeit durch einen Neurologen. Dieser kann das Ausmaß der Schädigung anhand der Geschwindigkeit mit der ein Impuls vom Nerven an den Muskel fortgeleitet wird nachweisen. Passen klinisches Bild und Nervenleitgeschwindigkeit zusammen, so kann man zunächst versuchen durch Ergotherapie und Krankengymnastik, sowie durch das nächtliche Tragen einer Schiene, die das Abknicken der Handgelenke nachts verhindert, die Symptome zu verbessern.

Hilft dies nicht, kann in einem kleinen ambulanten Eingriff das band, welches das Dach des Carpaltunnels bildet, gespalten werden. Dies hat in der Regel keine Auswirkungen auf die Funktion der Hand. Der Schnitt beträgt ca 2 cm, die Fäden werden nach 12-14 Tagen entfernt und es dauert ca 4-6 Wochen bis die Hand wieder voll belastbar ist. Das Kribbeln und die Schmerzen sind in der Regel direkt nach der Operation verschwunden, die Kraftminderung und die Verschmächtigung der Muskulatur benötigen eine längere Regenerationszeit. Je nachdem wie ausgeprägt und Langandauernd die Nervenschädigung war, lässt sich der Ausgangszustand hier nicht immer wieder erreichen.

TFCC

Morbus Dupuytren

Beim Morbus Dupuytren handelt es sich um eine gutartige Bindegewebsvermehrung der Hand. Die Hohlhandfaszie beginnt unkontrolliert zu wachsen und ummauert so die Strukturen der Hohlhand und der Langfinger. Dadurch dass auch die Beugesehnen der Finger betroffen sind kommt es zu einer Charakteristischen Beugestellung der Finger, der sogenannten Geigerhand. Am häufigsten sind der Ringfinger und der Kleinfinger Betroffen, gefolgt vom Daumen und den anderen Fingern der Hand. In einem gewissen Anteil treten diese Veränderungen auch an beiden Händen auf.

Es beginnt meist mit derben schmerzlosen Knötchen in der Hohlhand, gefolgt von immer stärker werdenden Einziehungen der Finger selbst. Eine erbliche Komponente wird diskutiert, ebenfalls wie eine Assoziation mit Leberkrankeiten, der Zuckerkrankheit oder einer Epilepsie. Wann diese Krankheit auftritt kann nicht vorhergesagt werden, meist ist der Beginn im mittleren Lebensalter, das Fortschreiten gestaltet sich ebenfalls diskontinuierlich. Manche haben einen schnellen Verlauf mit einem Krumm werden der Finger innerhalb weniger Monate, manche berichten Verläufe von 5-10 Jahren ohne einen nennenswerten Progress. Die Konservative Behandlung reicht von Dehnübungen über Cortison bis zur Bestrahlung.

Letztendlich gibt es aber für das ganze Spektrum der konservativen Behandlung keinen Wirksamkeitsnachweis. Eine sichere Behandlung gelingt nur durch eine operative Entfernung der wuchernden Bindegewebsstränge. Hierbei ist Vorsicht geboten um die Nerven Gefässe und Sehnen die in die Wucherung eingewachsen sind nicht zu verletzen. Daher sollte ein derartiger Eingriff durch einen auf Handchirurgie spezialisierten Operateur vorgenommen werden. Auch nach solch einer Operation kann ein Wiederauftreten der Wucherungen nicht ganz ausgeschlossen werden.

Der richtige Zeitpunkt zum operieren ist eine Abwägung aus Beschwerden der betroffenen Patienten und Fehlstellung der Finger. Hat die Summe der Beugung der Fingergelenke zusammengerechnet 90° erreicht oder bestehen Beschwerden im Alltag die das Berufsleben oder die Ausübung von Hobbys erschweren, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Der Eingriff kann in der Regel bei bis zu 2 betroffenen Fingern ambulant durchgeführt werden, die Fäden werden nach 14 Tagen entfernt und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit dauert ca 4-6 Wochen je nach individuellem Heilverlauf.

Ringbandstenose

Bei einer Ringbandstenose handelt es sich um eine meist überlastungsbedingte Verdickung der Ringbänder. Die Ringbänder halten die Beugesehnen im Bereich der Finger bei Bewegung in ihrem Gleitlager. Verdicken sie sich, dann gleiten die Sehnen nicht mehr ungehindert bei Bewegung. Dies kann Schmerzen machen und in späteren Stadien auch zu Blockierungen der Finger in Beugestellung führen.

Oft können die betreffenden Finger nur noch mit Unterstützung gestreckt werden und befreien sich dann mit einem schmerzhaften Schnappen. Daher wird dieses Krankheitsbild im Volksmund auch Schnappfinger genannt. Die Behandlung kann konservativ mit Krankengymnastik oder Ergotherapie begonnen werden, mündet allerdings meistens in einem kleinen chirurgischen Eingriff, bei dem das betreffende Ringband über einen ca. 1 cm messenden Hautschnitt gespalten wird. Die Fäden verbleiben für 12-14 Tage, die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel 14 Tage und der Finger darf ab dem Abend der Operation bereits wieder frei bewegt werden. Dieser Eingriff findet in der Regel ambulant statt.

SL Band Verletzungen

Das SL Band oder auch Scapholunäres Band genannt gehört zu den wichtigsten und stärksten Bandverbindungen im Bereich der Handwurzel. Es befindet sich zwischen Kahnbein und Mondbein und verspannt die Handwurzel bei axialer Krafteinwirkung. Ebenso wahrt es die Integrität der körpernahen Handwurzelreihe indem es gemeinsam mit Dreiecksbein Kahnbein und Mondbein den Körperfernen Gelenkpartner der Elle und der Speiche bildet. Verletzungen entstehen oft durch Stürze auf die ausgestreckte Hand.

Als solches ist eine Verletzung dieser Bandverbindung oft eine Begleitverletzungen bei Handgelenksbrüchen. Manchmal tritt eine solche Verletzung allerdings auch ohne einen begleitenden Knochenbruch auf. Da es sich um eine reine Bandverbindung handelt, ist sie im Röntgenbild oft nur indirekt zu sehen. Daher ist bei Verdacht auf eine solche Verletzung oft eine Kernspinuntersuchung des Handgelenkes oder sogar eine Handgelenksarthroskopie indiziert.

Die komplette Verletzung dieses Bandes bedarf immer einer operativen Versorgung. Das Band wird genäht und die Stellung der Knochen zueinander mit Drähten gesichert. Nachdem das Band ausgeheilt ist werden die Haltedrähte wieder entfernt und der Betroffene kann beginnen sein Handgelenk wieder zu bewegen. Die Rekonvaleszenz dauert hier in der Regel 10-12 Wochen. Alte Verletzungen können mit Hilfe von eingeflochtenen Spendersehnen oder Kunstmaterialien versorgt werden.

Tennisellenbogen

Beim sogenannten Tennisellenbogen handelt es sich um eine Reizung der Muskelansätze des Unterarmes. Insbesondere die Muskeln, die für die Streckung und Auswärtsdrehung der Hand verantwortlich sind, haben ihren Ursprung an der ellenbogennahen Knochenoberfläche der Speiche. Dies führt zu starken Schmerzen bei Bewegung, aber auch in Ruhe der betroffenen Extremität, die sich klassischerweise auf die Außenseite des körpernahen Unterarmes projizieren. Unbehandelt können diese Schmerzen für viele Monate bestehen.

Meist ist ein Verzicht auf auswärts Drehungen und Streckbewegung unter Belastung in Kombination mit einer Krankengymnastischen Behandlung und einer Schienenversorgung erfolgreich. Teils kommen hier auch entzündungshemmende Medikamente und Umschläge zum Einsatz. Sollten all diese Maßnahmen innerhalb eines halben, maximal eines Jahres nicht zu einer wesentlichen Verbesserung geführt haben, ist eine operative Einkerbung der Sehnenansätze in Erwägung zu ziehen.

Dies nimmt die Spannung von der Entzündeten Knochenhaut. Durch diesen Eingriff lassen sich in einer Vielzahl der Fälle die Schmerzen reduzieren oder ganz beheben. Eine wesentliche Kraftminderung besteht im Anschluss nicht. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Egel 4-6 Wochen. Eine Ruhigstellung des Armes ist nicht notwendig.

Golferellenbogen

Beim Sulcus Nervi ulnaris Syndrom oder dem sogenannten Golferellenbogen handelt es sich um ein Engpasssyndrom des Nervus ulnaris, eines der drei Unterarmnerven, im Bereich des innenseitigen Rollhügels am Ellenbogengelenk. Hier durchläuft der Nerv einen Tunnel zwischen Knochen und Muskelansätzen in dem er bei ungünstiger Belastung oder langdauernder Reizung eingeengt werden kann. 

Diese Nerveneinengung führt dann zu starken Schmerzen im Bereich des Ellenbogens die sich in Beugung des Ellenbogens verstärken. Teils werden diese Schmerzen von einem Taubheitsgefühl des Kleinfingers, teils auch des Ringfingers begleitet. In späteren Stadien ist schon die äußere Berührung des innenseitigen Ellenbogens sehr schmerzhaft und es können Kraftminderungen und Bewegungseinschränkungen in den Langfingern auftreten. Der Nachweis eines SNUS erfolgt wie beim Karpaltunnelsyndrom auch aus der Kombination eines gemessenen Schadens in der neurologischen Untersuchung und dem klinischen Beschwerdebild des Patienten. Kommen beide Untersuchungen zum selben Ergebnis und eine konservative Therapie mit Schienen und Krankengymnastik führt nicht zu einer Besserung, kann der Nerv operativ befreit werden.

Hierzu wird in einem ambulanten Eingriff die Bandverbindung über dem Nervenkanal durchtrennt, sodass der Nerv wieder frei zu liegen kommt. Die Gefühlsstörungen und Schmerzen sind häufig sehr schnell nach diesem Eingriff rückläufig, das Wiederreichen der Kraft in den Fingern benötigt meist eine längere Zeitspanne und muss trainiert werden. Die Arbeitsunfähigkeit nach diesem Eingriff beträgt ca 2-4 Wochen.

Rhizarthrose

Als Rhizarthrose bezeichnet man den Verschleiss im Daumensattelgelenk. Der Dauemn nimmt eine einzigartige Stellung in der Funktion unserer Hand ein. Er ist frei in nahezu jede Richtung beweglich, kann jeden Finger der gleichseitigen Hand zum Greifen erreichen und besitzt eine hohe Greifkraft und Stabilität. In der Evolution bedeutete die Gegenüberstellung des Daumens gegen die restlichen Langfinger den Grundstein zum Benutzen von Werkzeugen und zu dem feinmotorischen Arbeiten. Aufgrund der hohen Beweglichkeit ist das Daumensattelgelenk im Alltag somit auch einer sehr hohen Belastung und Reibung ausgesetzt.

Gerade Menschen mit Handwerklichen Berufen entwickeln teils schon sehr früh eine Arthrose im Daumensattelgelenk. Dies äußert sich insbesondere durch belastungsabhängige Schmerzen beim Greifen und bei Drehbewegungen wie beispielsweise dem Auswringen eines Lappens oder dem Öffnen einer Flasche. Die Therapie beginnt stufenweise. In frühen Stadien hat die krankengymnastische oder Ergotherapeutische Beübung einen Stellenwert. Ebenso kann der Betroffene Daumen in Schienen ruhiggestellt werden und eine kurzfristige Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten Linderung verschaffen. Auch eine Röntgenreizbestrahlung, Umschläge mit Entzündungshemmenden Wirkstoffen oder Injektionen von Wirkstoffen in das betreffende Gelenk können ihren Stellenwert haben.

Wenn die Schmerzen das Berufsleben und/oder die Lebensqualität allerdings zu stark beeinträchtigen, sollte eine operative Versorgung erwogen werden. In der Regel wird der körpernahe Anteil des Gelenkes, der Vieleckknochen oder auch Os trapezium genannt, entfernt. Dies geht zwar mit einer leichten Kraftminderung und einem milden Verlust der Stabilität einher, sorgt aber zuverlässig für Schmerzfreiheit. Für den Fall, dass eine Instabilität überwiegt, stehen dem Operateur verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung, um die Stabilität des Gelenkes zu erhöhen.

Eine Prothesenversorgung dieses Gelenkes ist ebenso machbar, wie die herkömmlich bewährte Methode der operativen Entfernung des Vieleckknochens. Nach einer Prothesenversorgung- sollte sie für sie in Betracht kommen, kann direkt postoperativ mit der Beübung begonnen werden. Eine Ruhigstellung ist in der Regel nicht nötig. In der Regel kann nach 4-6 Wochen eine Arbeitstätigkeit begonnen werden. Im Falle einer Entfernung des Viereckbeines, wird die Hand für 4 Wochen in einem Kunststoffverband ruhiggestellt, anschließend kann mit der Beübung begonnen werden. Nach ca 10-12 Wochen ist mit dem Wiedereintritt in das Berufsleben zu rechnen.